Detailseite

08.05.2017

„Bike-Papst“ freut sich auf 20-jähriges Jubiläum des Willinger BIKE Festivals

Volker Schröder ist seit vielen Jahren ein Insider der Bike-Szene und zeichnet sich von Beginn an für die Streckenführungen beim Ziener BIKE Festival Willingen verantwortlich. Vom 19. bis 21. Mai findet die traditionelle Veranstaltung, die Jahr für Jahr viele Tausend Mountainbiker und Radsport-Freaks ins waldeckische Upland lockt, nach dem Startschuss 1998 bereits zum 20mal statt. Anlass genug, um mit dem Willinger Original die letzten zwei Dekaden in einem Interview Revue passieren zu lassen.

Herr Schröder, kaum jemand ist so nah dran am BIKE Festival Willingen wie Sie. Sie haben ungezählte Streckenkilometer für die Bike-Freaks ausgewiesen. Wie hat sich die sportliche Großveranstaltung über die Jahre verändert? Welche Änderungen gibt es in der Bike-Szene insgesamt über diesen langen Zeitraum von 20 Jahren?

Volker Schröder: Die Idee, ein BIKE Festival nach dem Vorbild Riva/Gardasee nach Willingen zu holen, war seinerzeit schnell geboren. Wir trafen uns mit den Verantwortlichen des BIKE Magazins vom Delius Klasing-Verlag und der Gemeinde mit dem Ergebnis, dass wir es gemeinsam angehen wollten. Alle waren sich einig, dass die Mittelgebirgsregion rund um Willingen alles bietet für den Bikesport.

Das erste Ziel waren ausgeschilderte Strecken und eine Handvoll Touren-Guides, die den Besuchern unsere schöne Gegend zeigen sollten.

Bei der Premiere gab es ein Cross Country-Rennen, das danach durch den Marathon ersetzt wurde. Bis heute ist der Marathon ein Highlight, weil sich Hobby- und Profifahrer der gleichen Herausforderung stellen. Es gibt nur Gewinner, weil jeder Teilnehmer seinen persönlichen Erfolg erzielt.

Dass sich das Willinger BIKE Festival einmal zu einer der größten Mountainbike-Veranstaltung in Europa entwickeln sollte, konnte damals niemand ahnen. Wichtiger Bestandteil war und ist die Ettelsberg Seilbahn, damals noch als Sessellift, heute als moderne Kabinenbahn. Die Fahrer stürzten sich mit den nur mit einer Federgabel ausgestatteten Bikes den mit Flatterband abgesperrten Weg am Willinger Hausberg hinunter. Das ist für mich unvergesslich, eine neue Ära, das Freeriden, war geboren.

Dieser waghalsige Sport war fortan nicht mehr wegzudenken. Unser damaliger Förster Hellwig hatte daher die Idee, eine fest installierte Strecke müsse her, um das Ganze in geordnete Bahnen zu bringen. Die Gemeinde zeigte sich weitsichtig, mittlerweile haben viele andere Regionen auch in den Alpen diese Konzepte übernommen.

Der nächste Schritt erfolgte auf dem Höhepunkt des Radsports in Deutschland mit Jan Ulrich und Co. Auch das Mountainbiking bekam durch die Sponsorengelder einiges ab. Wir holten zweimal einen Tripple-Weltcup nach Willingen mit Cross Country, Four Cross und Downhill. Die Szene geriet in Aufruhr. Wie soll das gehen? Die haben doch keine hohen Berge in Willingen. Dank Streckenbauer Diddi Schneider wurde eine Strecke geschaffen, die für Erstaunen sorgte. Ein neuer Standard für den Downhillsport war gesetzt. Heute wird diese atemberaubende Strecke nicht nur beim BIKE-Festival genutzt, sondern auch von Einheimischen und Biketouristen.

Es war über all die Jahre also immer etwas in Bewegung. Auch beim E-Mountainbike hat die Gemeinde Willingen den Fuß in der Tür. Es steht zudem ein gewaltiges Großprojekt im Landkreis in den Startlöchern, wo erneut Mountainbike-Geschichte geschrieben wird. Europa schaut diesbezüglich auf Willingen und Waldeck-Frankenberg.

Welche spannenden Neuerungen warten bei der Jubiläumsausgabe des BIKE Festival Willingen vom 19. bis 21. Mai 2017 auf die vielen Bike-Sportler vor Ort?

Das Willinger BIKE-Festival wird im Bereich Rennrad um attraktive Inhalte erweitert. Letztes Jahr gab es bereits ein Gravel-Rennen. Dieser Trend kommt aus den USA und bedeutet, mit einem Rennrad-Crosser mit viel Freude durch die schöne Landschaft zu fahren. Nicht ein Wettkampf, der Spaßfaktor steht im Vordergrund. Wir werden das als geführte Tour anbieten, die Strecke kann aber auch mit einem GPS-Gerät gefahren werden. Der Streckenverlauf wird dem Gravel-Rennrad angepasst, neben herrlichen Radwegen gehören zum Profil auch Schotterwege dazu.

Den klassischen Radrennsport nehmen wir mit dem „WARSTEINER Sauerland Giro“, einer 30 Kilometer-Runde mit rund 500 Höhenmetern, auf, die man zwischen zwei-, drei oder viermal absolviert. Die Entscheidung kann während der Fahrt getroffen werden, eine echte Herausforderung also.

Alles in allem kann sich das Jubiläumsprogramm 2017 mit u.a. dem Marathon, Enduro, Junior Trophy, Pumptrack- und Downhill-Rennen sehen lassen. Es ist ein mit Höhepunkten gespicktes Festival-Programm geplant.


Volker Schröder © Dieter Schütz

Was wünschen Sie sich ganz persönlich für das Jubiläum des BIKE-Festivals am dritten Mai-Wochenende? Was wird die weitere Zukunft der Veranstaltung bringen?

Ich wünsche mir vor allem gutes Wetter, dann sind alle zufrieden. Die Bikesportler sind zwar nicht so wetterabhängig, aber bei sonnigem Wetter ist die Stimmung einfach besser und es kommen mehr Besucher.

Ich hoffe, dass die vielen freiwilligen Helfer aus der ganzen Region dem Willinger BIKE-Festival auch weiter die Treue halten. Nur gemeinsam sind wir stark, da gibt es einen echten Team-Spirit, der die Veranstaltung auszeichnet. Jeder kann zudem als neuer Helfer jederzeit einsteigen. Es gibt für jeden etwas zu tun. Ich stehe hier als Ansprechpartner sehr gerne zur Verfügung. Das BIKE-Festival hat auch in den kommenden Jahren eine gute Zukunft vor sich.

Was macht den Bikesport für alle Generationen so interessant? Welche Bedeutung hat der Freiluftsport für die Touristikhochburg Willingen? Was sollte es an zukünftigen Angeboten geben?

In der heutigen stressigen Zeit wird eine entspannte Freizeitgestaltung als Ausgleich immer wichtiger. Hier ist der Mountainbikesport mit seiner Vielfalt ideal. Gesunde Bewegung auf dem Rad, man entspannt sich in der Natur und ist an der frischen Luft. Jeder kann diesen faszinierenden Sport ganz nach seiner individuellen Fasson ausüben, auch für Familien ist das Biken fantastisch.

Touristisch sind die Mountainbiker neben den Wanderern im Sauerland zu einer der wichtigsten Zielgruppen geworden, Daran gilt es weiterhin zu arbeiten. Einige sagen an der Stelle sicherlich: Was gibt es denn noch zu tun? Es ist doch alles da. Denken wir an das Wandern. Früher ging es einfach in den Wald, heute gibt es nicht nur eine nahezu perfekte Ausschilderung, sondern auch für jede Zielgruppe einen Qualitätswanderweg wie beispielsweise den Rothaarsteig oder den Uplandsteig, Spazierwege rund um den Ort oder Themenwege wie den Pilgerweg oder die Goldspur. Hier müssen wir Mountainbiker auch hinkommen. Es gibt noch viel zu tun.

Was war in 20 Jahren Willinger BIKE-Festival für Sie das Erlebnis, das Sie nicht mehr vergessen werden?

Da gibt es viele schöne Geschichten. Gerade jetzt, als es im April im Upland mal wieder Schnee gegeben hat, erinnere ich mich daran, dass ich mit Uli Stanciu, Herausgeber des BIKE-Magazins, Vater des Willinger BIKE-Festivals und Pionier der Transalp-Bewegung, in den Anfängen verabredet war, die Marathonstrecke abzufahren und in einem Roadbook festzuhalten.

Damals gab es natürlich noch keine GPS-Geräte. Es schneite dicke Flocken vom Himmel, so dass ich telefonisch warnte. „Das kenne ich aus den Alpen, um diese Jahreszeit ist der Schnee mittags wieder weg“, war Uli überzeugt. Also verabredeten wir uns tags darauf um die Mittagszeit in Willingen zu unserer Fahrt.

Über Nacht waren gefühlte 50 Zentimeter Neuschnee gefallen, dennoch hatte unser Plan Bestand. Wir brauchten für die 130 Kilometer vier Tage. Ich zog mit meinem Bike zumeist schiebend die Spur, Uli kam hinterher.

Das Problem war, dass der Magnet des Kilometerzählers nicht verrutschen durfte, sonst stimmten die Angaben im Roadbook nicht. Mit dem Fuß habe ich stets den Schnee weggeschoben, um den unterschiedlichen Untergrund wie Asphalt, Schotter oder Waldweg anzusagen. Das werden wir beide wohl nie mehr vergessen.

Es gibt viele bunte Geschichten rund um das BIKE-Festival, die immer wieder zum Schmunzeln anregen. Es ist mittlerweile eine große Familie. Jedes Jahr treffe ich alte Bekannte, mit denen ich gern am Rande der Strecke ein Schwätzchen halte, sofern es die Zeit erlaubt.

Sie werden in Willingen der „Bike-Papst“ genannt, da schwingt viel Anerkennung mit. Wie sind Sie zu dem Spitznamen gekommen?

Ganz ehrlich, ich weiß es selbst nicht mehr. Den Begriff hat irgendjemand mal ins Spiel gebracht. Das ist einfach so, ich kann das nicht ändern. Ich glaube, dass diese Bezeichnung zu hoch gegriffen ist. Ich sehe mich als begeisterten Mountainbiker, der sich als Sprecher und Repräsentant gern für diesen tollen Sport in der Region einsetzt, weil es mir einfach Spaß macht.

Wie beurteilen Sie als Experte des Mountainbikesports die zahlreichen Diskussionen um mögliche Windparks in der Upländer Mittelgebirgsregion? Wird das Auswirkungen auf am Biken interessierte Aktiv-Urlauber haben?

Mountainbiker sind der Natur sehr verbunden. Zahlreiche Studien haben ergeben, dass neben der körperlichen Anstrengung, die fast unberührte Natur und der Erholungsfaktor eine ganz wichtige Rolle spielen. Daher bin ich überzeugt, wenn wir in unserer touristisch gewachsenen Wander- und Bike-Infrastruktur Windräder installieren, wird über kurz oder lang der nachhaltige Tourismus verschwinden. Der ortsansässige Biker wird sich Gebiete suchen, wo sich keine Windräder drehen.

Gelegentlich setze ich mich auf eine Bank und denke: Mensch, was wohnen wir doch schön hier in Willingen! Genau diese schöne und nicht verbaute Natur suchen unsere Gäste aus den Ballungsgebieten Deutschlands und den Nachbarländern. Wer denkt, dass Windräder bei der Urlaubswahl egal sind, der irrt.

Selbstverständlich brauchen wir erneuerbare Energien, aber es gibt genügend Alternativen, auch wenn sie nicht ganz so profitabel sind wie die Windräder auf den Bergspitzen. Unser Tourismus muss nachhaltig und umweltverträglich bleiben.

Herr Schröder, ergänzen Sie bitte abschließend folgenden Satz: Das Willinger BIKE Festival wird im Jahre 2022 zum 25-jährigen Jubiläum…

… nach wie vor erfolgreich sein und weiterhin eine gute Zukunft haben, wenn wir bei aller Konkurrenz der Event-Anbieter als Pioniere der ersten Stunde mit Herz und Verstand neue Ideen für Willingen auf den Weg bringen.

Das Interview führte Dieter Schütz.

 

BIKE im Abo
Europas größtes Mountainbike-Magazin, bringt jeden Monat alles, was Mountainbiker interessiert: Tests und Technik ohne Fach-Chinesisch, Reviervorstellungen und Reisetipps, faszinierende Fotos und spannende Stories. Regelmäßig Fitness. Immer Fun.

Willingen, 21. Oktober 2017
Teilnehmerfotos
Sponsoren
Partner Events
  • TOUR Transalp
  • Alpencup
  • Amade Radmarathon
  • Eddy Merckx Classics
  • BIKE Transalp
  • Mondsee
  • BIKE Women Camp
  • Joyride Fest
Side Events